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08.02.2017

Nachruf

ASB Niedersachsen trauert um langjährigen Vorsitzenden Karl Villwock

Ein Leben im Dienste des sozialen Engagements: Karl Otto Villwock
Karl Otto Villwock Ende der 70er-Jahre (Foto: ASB Hannover-Stadt)
Ein Lächeln für die Kamera in schwerer Zeit: Kindheit und Jugend von Karl Villwock waren vom Grauen des Krieges geprägt. (Foto: Familie Villwock)

Pattensen. Die Welt ist um einen engagierten Menschen ärmer: Karl Otto Villwock ist am Samstag, 4. Februar 2017 im Alter von 89 Jahren verstorben. Von 1975 bis 2002 war er erster Vorsitzender des ASB-Landesverbandes Niedersachsen. Das Amt hatte er von seinem Vater Otto Villwock übernommen, nachdem er diesen schon zuvor als Pressesprecher unterstützt hatte.

Seinen zweiten Vornamen mochte der Junior aber nicht so recht, und so nannten ihn alle nur Karl. Mit außergewöhnlicher Tatkraft und Verhandlungsgeschick baute er den ASB auf, aus und unterstützte seine Gliederungen, wie zuletzt z.B. bei der Übernahme des ASB-Rettungsdienstes im ehemaligen Landkreis Hannover im Jahr 2002.

Er machte den ASB zum bundesweiten Vorreiter bei den Sozialen Diensten

Außer für die "klassischen" Samariter-Aufgaben Rettungsdienst und Krankentransport setzte er sich dafür ein, neue Leistungen zu entwickeln. In den 90er-Jahren war er maßgeblich daran beteiligt, dass in den Orts- und Kreisverbänden die Sozialen Dienste ausgebaut wurden. Er brachte die ambulante und stationäre Pflege voran und förderte nach Kräften die Eröffnung der ersten Tagespflege-Einrichtungen. Damit war der ASB Niedersachsen bundesweit Vorreiter. Mit seinem Ziel, dass pflegebedürftige Menschen so lange wie möglich zuhause wohnen bleiben können, ist der Landesverband bis heute von diesem Schwerpunkt geprägt. Karl Villwocks Bemühungen haben aus ihm das gemacht, was er heute ist und gesellschaftlich neue Impulse gesetzt, die über den ASB hinaus wirkten und neue Entwicklungen in Gang brachten.

Er war es auch, der 1991 die Eröffnung des ersten ASB-Kindergartens - der "Rasselbande" in Diepholz - entscheidend förderte.

Auszeichnung durch das Land Niedersachsen

An der Spitze des ASB Niedersachsen wurde er als starke, durchaus auch eigensinnige Persönlichkeit respektiert und gemocht. Seine Kollegen wussten: In der manchmal rauen Schale steckte ein weicher Kern.

Auch die Politik schätzte ihn als kompetenten Gesprächs- und Netzwerkpartner. Am 20. September 2007 wurde er durch den hannoverschen Regionspräsidenten Hauke Jagau mit dem Niedersächsischen Verdienstorden am Bande ausgezeichnet.

Sein Leben lang fühlte er sich seiner Hilfsorganisation eng verbunden und schaute auch nach seiner Zeit als aktiver Samariter ab und zu in der Landesgeschäftsstelle in Hemmingen-Arnum vorbei. Er wohnte ganz in der Nähe - in Pattensen-Mitte. Dort lebte er seit 1973.

Kindheit im Krieg

Seine Leidenschaft, sich für andere Menschen zu engagieren, hatte ihren Ursprung schon in seiner Jugend. Aufgewachsen war Karl Villwock in Badenstedt, das seit 1920 zu Hannover gehörte. Der Stadtteil war wegen seiner Nähe zu den Industriegebieten in Linden traditionell ein Arbeiterviertel. Da der Arbeiter-Samariter-Bund ebenfalls dieser Lebenswelt entstammt, passte er zur Familie des Maurers und Poliers Otto Villwock.

1943 machte Karl ein Lehre als Schriftsetzer bei der Druckerei Jänicke in der Osterstraße in Hannover-Mitte. Wegen des Krieges hielt die Belegschaft nonstop Wache, um bei Bedarf schnell Feuer löschen zu können. In der Nacht zum 9. Oktober 1943 musste Karl erleben, wie das Gebäude, an dessen Stelle heute ein Parkhaus steht, von Bomben getroffen wurde und brannte. Der 16-Jährige Karl rettete ein kleines Mädchen aus den Armen seiner toten Mutter vor dem Haus und half weiteren Menschen bei der Flucht aus den Flammen. Mit 18 Jahren musste er noch Soldat werden, worüber er mit Fremden später nicht gern sprach. Wenigstens äußerlich unversehrt kam er wieder. Und wurde ein sozial engagierter Mensch.

Bei der ASB-Neugründung mit dabei

Er erlebte mit, wie sein Vater Otto und andere Samariter 1946 in Hannover-Linden den ASB wiedergründeten, nachdem er in der Nazizeit verboten gewesen war. Die britische Militärregierung erteilte die Erlaubnis nicht nur für die Kolonne Hannover, sondern auch für einen ASB insgesamt - der ASB Deutschland war damit wieder da. Der erste gedruckte Geschäftsbericht des ASB nach dem Kriege - der der Kolonne Hannover für den Berichtszeitraum 1946-48 - wurde vom zwanzigjährigen Schriftsetzer Karl selbst hergestellt. Heute ist der Bericht ein Stück von historischer Bedeutung in der Sammlung des ASB-Archivs in Köln.

Später engagierte sich Karl nicht nur als Samariter, sondern auch als Gewerkschafter der IG Druck. Dann veränderte er sich beruflich. Beim ASB hatte er ehrenamtlich reichlich Erfahrung mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gesammelt. So wurde er schließlich im Hauptberuf Pressereferent in der Niedersächsischen Staatskanzlei.

Karl Villwock hat den ASB Niedersachsen entscheidend geprägt. Wir danken ihm aus ganzem Herzen und werden ihn nicht vergessen.

 

ad