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12.10.2015

Flüchtlingshilfe

Hildesheimer Politiker besuchen Flüchtlingsunterkunft des ASB

Markus Dolatka (li.) zeigt Bernd Westphal (mitte) und Dirk Schröder die Flüchtlingsunterkunft. (Foto: ASB/A. Droba)
Zeichen der Dankbarkeit: "Thank you Germany" steht auf einem an die Wand gepinnten Blatt. (Foto: ASB/A. Droba)

Hildesheim, 09.10.2015 // „Thank you Germany“ prangt auf einem an die Wand gepinnten Blatt – in etwas ungelenker Schrift und mit einem großen Herzen verziert. Die Besucher stutzen, unterbrechen bewegt kurz ihren Rundgang, ein Smartphone hält die Botschaft fest.

Der Hildesheimer Bundestagsabgeordnete Bernd Westphal (SPD) hat am Donnerstag erstmals die Flüchtlingsunterkunft in der Mackensen-Kaserne besucht. Begleitet wurde er vom städtischen Sozialdezernenten Dirk Schröder (SPD), der mit der Einrichtung bereits vertraut war. ASB-Kreisgeschäftsführer Markus Dolatka und seine Mitarbeiter zeigten den Politikern die vom Arbeiter-Samariter-Bund betriebene Anlage und beantworteten alle Fragen.

Zurzeit leben rund 1000 Menschen unterschiedlichster Herkunft hier friedlich zusammen, darunter viele Familien. Gerade Flüchtlinge mit Kindern bemühen sich oft um eine Unterbringung in Hildesheim, weil es hier im Gegensatz zu vielen anderen Unterkünften Zimmer statt Schlafsäle gibt.

Flüchtlinge kommen mit dramatischen Einzelschicksalen

Der letzte Septembertag ist es, den Markus Dolatka nicht mehr vergessen wird. „Die Kaserne hatte acht Jahre leer gestanden. Wir hatten nur Stunden von der Anforderung bis zum Eintreffen der ersten Busse. Vielen Menschen ging es schlecht, auch Kindern, etliche litten unter alten Verletzungen, die behandelt werden mussten. Und eine Syrerin bekam noch in derselben Nacht ihr Baby. Alle haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sind in den letzten Tagen an die Grenze ihrer Belastbarkeit gegangen und haben Unglaubliches geleistet.“
Bernd Westphal interessierte sich besonders für Jugendliche, die allein geflüchtet sind. Markus Dolatka hob die tägliche Betreuung durch das Jugendamt hervor. Er berichtete auch von zahlreichen weiteren dramatischen Einzelschicksalen. „Einige sind Hunderte oder sogar Tausende von Kilometern zu Fuß gelaufen, bis sie hier ankamen – teilweise auf Gehhilfen. Ein Mann baute aus den Rudern seines Flüchtlingsbootes Krücken und machte sich auf nach Deutschland. Seine Hände waren ganz kaputt. Als wir ihm neue Gehhilfen gaben, war er überglücklich. Ein anderer war bereits beim Anlanden in Griechenland gestürzt. Er schaffte es verletzt bis zu uns, brach dann aber zusammen – es geht ihm sehr schlecht.“

Verständigung klappt prima - Bürokratische Hürden überwunden

Eine Herausforderung sei es, Menschen mit ganz verschiedenem Hintergrund dabei zu helfen, sich einzuleben. „Wir haben Akademiker hier wie auch Menschen aus Bergdörfern, die Toiletten wie unsere gar nicht kennen“, so Dolatka. „Dank der ehrenamtlichen Dolmetscher und unserer hilfreichen Security-Leute mit Migrationshintergrund klappt die Verständigung aber prima.“ In Zukunft können die Flüchtlinge sich nun auch per Ein-Euro-Job nützlich machen, denn sie möchten nicht herumsitzen.
Sorgen dagegen machten dem ASB-Geschäftsführer zunächst manche bürokratische Hürden, die jedoch insbesondere dank Stadtkämmerin Antje Kuhne überwunden wurden. Auch Dirk Schröder versprach Unterstützung: „Ich werde weiterhin mein Bestes geben, damit in Härtefällen unbürokratisch gehandelt werden kann. Manchmal muss man einfach zum Hörer greifen und andere Kommunen anrufen, z. B. um Familien zusammenzuführen.“

Bernd Westphal verspricht: "Wir helfen bei der Essensausgabe."

Der ASB bedankte sich für die große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung. Wer helfen möchte, kann sich einfach am Eingang in der Senator-Braun-Allee melden. Bernd Westphal zeigte sich beeindruckt auch von der schnellen und professionellen Arbeit des ASB. Die Politiker reagierten mit einer symbolträchtigen Geste: „Dirk Schröder und ich haben eben spontan zugesagt, am Freitag, 16. Oktober bei der Essensausgabe zu helfen.“ (ASB/A. Droba)