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30.09.2014

ASB und DRK investieren in modernste Medzintechnik.

Lucas 2 macht Druck: Neue Reanimationshelfer im Landkreis Nienburg.

Marco Rexin (Rettungsassistent beim DRK Nienburg) und Michael Behr (Rettungsassistent beim ASB-KV Nienburg) sind im Umgang mit dem Reanimationshelfer trainiert.
ASB und DRK im Landkreis Nienburg freuen sich über modernste Rettungstechnik an Bord Ihrer Notarztfahrzeuge: (v.l.n.r.) Jens Sewohl (ASB-Geschäftsführer), Michael Behr (Rettungsdienstleiter ASB), Martin Krone (DRK-Geschäftsführer), Klaus-Dieter Holz (Rettungsdienstleiter DRK), Markus Stövesand (DRK-Geschäftsführer) und Marco Rexin (Rettungsassistent beim DRK) [Fotos: ASB/A. Diekmann]

Sein Name ist Lucas 2. Was klingt wie ein neuer Mitarbeiter ist eine der modernsten mechanischen Reanimationshilfen, die die notwendigen Herzdruckmassagen auf dem Brustkorb während einer Wiederbelebung selbsttätig ausführt.

ASB und DRK im Landkreis Nienburg investieren 50.000 € in größere medizinische Sicherheit der Bevölkerung.

Für sie haben die beiden mit dem Rettungsdienst beauftragten Hilfsorganisationen im Landkreis Nienburg, der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und das Deutsche Rote Kreuz (DRK), jetzt tief in die Tasche gegriffen. Rund 50.000 Euro kosteten die 3 Notfallgeräte, die auf den Notarzteinsatzfahrzeugen (NEF) in Stolzenau (ASB), Hoya und Nienburg (beide DRK) deponiert wurden.

Von den acht im ASB-Landesverband Niedersachsen mit Rettungsdienstleistungen beauftragten ASB-Gliederungen ist der ASB-Kreisverband Nienburg der erste und einzige Kreisverband, der den Lucas 2 an Bord hat.

Rund 100 Wiederbelebungen im Landkreis Nienburg pro Jahr.

Und das aus gutem Grund: Bei einem Herzstillstand entscheidet jede Sekunde über Leben und Tod eines Menschen. Mit mehr als 100.000 Fällen pro Jahr ist der Herztod die häufigste Todesursache in Deutschland – und zwar in jedem Alter.

„Für den Landkreis Nienburg schätzen wir, dass unsere Retter etwa 8-10 Mal pro Monat reanimieren“, erklären die Geschäftsführer Martin Krone (DRK) und Jens Sewohl (ASB). Das sind über 100 Wiederbelebungen pro Jahr. Belegte Zahlen gibt es dazu nicht.

Mehr Lebensqualität für Überlebende.

Wenn es zu einem Herzstillstand kommt, sind im Wesentlichen zwei Dinge wichtig: Einerseits, dass – wie bei jedem Notfall – die so genannte Rettungskette reibungslos abläuft und dass die Ersthelfer rasch mit der Wiederbelebung beginnen. Andererseits, dass die Reanimation durch Ärzte und Rettungsdienstpersonal bis zur Übergabe in der Klinik möglichst ununterbrochen und effizient durchgeführt wird.
Es ist die Frage nach Quantität und Qualität. Je früher die Ersthelfer mit der Laienreanimation einsetzen, desto größer ist die Überlebenswahrscheinlichkeit. „Uns genügt es nicht, dass der Patient überlebt. Wir wollen, dass er auch zu einer guten Lebensqualität zurückkehren kann“, so Martin Krone.

99% der Überlebenden, die mit dem Lucas-System behandelt wurden, weißt nach 6 Monaten gute neurologische Befunde auf. Das ist das Ergebnis der breit angelegten LINC-Studie (LUCAS in Cardiac Arrest = LUCAS bei Herzstillstand), die von 2008 bis 2013 von der Universität Uppsala in Schweden durchgeführt wurde.

Der unermüdliche Lucas.

Die Gründe hierfür sieht Sewohl, der als Lehrrettungsassisstent noch selbst auf dem Rettungswagen im Einsatz ist, in der Effizienz des Geräts und den Vorteilen, die es für das Personal mit sich bringt. Einmal über dem Oberkörper des Patienten angelegt arbeitet Lucas 2 konstant, gleichmäßig und mit unverminderter Eindrucktiefe – wenn nötig bis zu 90 Minuten über Akku; der Anschluss anderer Stromquellen ist möglich.

Das ist eine Leistung, die von einer humanen Einsatzkraft nicht sichergestellt werden kann. „Bisher mussten wir eine Reanimation z. B. bei der Einleitung oder Durchführung weiterer lebenswichtiger Maßnahmen oder auch insbesondere bei erschwerten Transportbedingungen – durch ein enges Treppenhaus oder per Feuerwehrdrehleiter – manchmal schlicht unterbrechen“, berichtet er. Außerdem träten bei einer längeren Einsatzdauer, selbst bei bester körperlicher Verfassung, zwangsläufig Erschöpfungszustände ein, die die Effektivität mindern.

„Der Landkreis Nienburg/Weser ist ein Flächenlandkreis mit fast 1.400 qm und nur durchschnittlich etwas mehr als 80 Einwohnern je km². Da kann ein Transport zur nächsten Klinik auch mal 20 Minuten und länger dauern“, gibt Martin Krone zu bedenken.

Aus Berichten ihrer Mitarbeiter wissen beide, dass Lucas 2, wenn er zum Einsatz kommt, oft eine erschreckende Wirkung auf die Angehörigen hat. Nicht zuletzt deshalb habe man sich entschieden die Öffentlichkeit über diesen neuen Helfer an Bord der Rettungsmittel und seine Vorteile zu informieren.

Ersthelfer sind das Wichtigste Glied der Rettungskette.

Die erste Hilfe der Angehörigen sei trotzdem lebenswichtig, betont Sewohl. " Lucas kommt eben erst im weiteren Verlauf einer Reanimation zum Einsatz. Entscheidend sind aber die ersten Minuten."

Bei einem erkannten Herzstillstand sollten die Ersthelfer dem Patienten mindestens 100mal pro Minute den Brustkorb zwischen den beiden Brustwarzen fünf bis sechs Zentimeter tief eindrücken. Darauf folgen zwei Beatmungen. Diese Folge sollte dann möglichst ohne Unterbrechung bis zur Übernahme durch den Rettungsdienst durchgeführt werden. Weitere Hinweise und Trainingseinheiten gibt es in den Erste-Hilfe-Kursen beim ASB in ganz Niedersachsen und beim DRK.

 


Insgesamt sind rund 7.600 Menschen im Landkreis Nienburg Mitglieder des Arbeiter-Samariter-Bundes und des Deutschen Roten Kreuzes. Rund 150 ehrenamtliche und 160 hauptamtliche Mitarbeiter stehen den beiden Organisationen bei der Erfüllung Ihrer Aufgaben zur Seite. Aktuell sind die beiden Hilfsorganisationen im Landkreis Nienburg mit dem Rettungsdienst beauftragt, betreiben 6 Rettungswachen und unterhalten 7 Katastrophenschutzeinheiten mit 20 Einsatzfahrzeugen.


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