Ein Tierfreund auf Wunschwegen

Ali nimmt Abschied von den Pferden des Gnadenhofes

Jeden Samstag ist Ali Machkamon zum Pferdegnadenhof „Die Arche“ in Arpke gefahren. Jeden Samstag hat er dort geholfen Boxen auszumisten und Heu zu verfüttern. Er hat Lecksteine verteilt, liebe Worte in geschundene Pferdeohren geflüstert, selbst gebackenen Kuchen für das Arche-Team mitgebracht. Ehrenamtlich. Viele, viele Jahre lang. Dann erkrankte der Rentner an MS, erlitt vor ein paar Wochen auch noch zwei schwere Schlaganfälle kurz nacheinander. Seitdem sitzt er dauerhaft im Rollstuhl. Seine Beine haben keine Kraft mehr. Er kann den Kopf kaum noch anheben, die Arme nicht mehr bewegen, musste in ein Pflegeheim in Hannover ziehen. Das liegt zwar nur 30 Autominuten entfernt von seinen vierbeinigen Freunden. Für den alleinstehenden Pflegefall ist diese Distanz jedoch eine halbe, nicht zu überwindende Weltreise…

Damit er vom geliebten Gnadenhof und den Tieren trotzdem noch einmal Abschiednehmen, noch einmal den Duft nach Heu und Stroh einatmen, ein letztes Mal raues Pferdefell unter den Finger spüren konnte, haben sich „Arche“-Chefin Marion Korroch und ihre Mitarbeiterin Gabriele Quelle an das niedersächsische Wünschewagen-Team vom Arbeiter-Samariter-Bund gewandt und um Hilfe gebeten. Und das organisierte innerhalb von wenigen Tagen die Wunschfahrt des Pferdefreundes, brachte ihn mit dem Spezialfahrzeug von Hannover aus nach Arpke. Natürlich an einem Samstag – so, wie früher.

Die beiden ehrenamtlichen Wunscherfüller Kevin Rusinek und Benjamin Schiller brachten den Rentner im Rollstuhl über holprige Feldwege ganz nah ran an die Pferdekoppeln, guckten mit ihm zusammen den Shetlandponys Rasputin, Nepomuk und Napoleon beim Herumtollen zu. Anschließend ging es in den Stall. Dort wartete in einer Box schon Ali Machkamons Lieblingspferd „Flo“, um das sich der Ehrenamtliche fast vier Jahre lang rührend gekümmert hatte. Mit Hilfe seines Freundes Karlheinz konnte er das kleine weiße Pony noch einmal füttern und streicheln.

Nach einem Picknick auf dem Vorplatz des Gnadenhofes, das Ali Machkamons Freunde Maria und Karlheinz vorbereitet hatten, ging es für den Rentner wieder zurück ins Pflegeheim. Arche-Chefin Marion Korroch ist glücklich, dass die Wunschfahrt ihres ehemaligen engagierten Helfers und Freundes so gut geklappt hat. Sie sagt: „Ich weiß, dass Ali nicht mehr leben will. Aber ich weiß auch, wie sehr er den Hof vermisst hat. Es war so wichtig, dass er noch einmal hier sein und atmen konnte. Das erdet ihn, gibt ihm Kraft für seinen Weg.“

 

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