Gejubelt hat Detlef am Telefon, als er gehört hat, dass sein letzter Wunsch wahr wird. Laut sogar! Sich mächtig gefreut. Denn gute Nachrichten – die gibt es im Leben des 63-Jährigen schon seit langem nicht mehr. Viele, viele Wochen schon hat er seine Wohnung krankheitsbedingt nicht mehr verlassen können. Liegt dort nun Tag ein, Tag aus in seinem Pflegebett. Und träumt von draußen.
Unter Menschen – das war Detlef immer gerne. „Carlo“ nennen ihn seine Kumpel. Unter dem Namen ist er in Gleidingen bekannt wie ein bunter Hund. Und unter Menschen, das möchte Carlo auch heute. Und zwar an den Kiosk von Maike Vogel. Beinahe jeden Tag war er früher da. Hat hier einen Stammplatz zum Kaffee trinken und Rauchen. Zum Quatschen. Auch heute nimmt er den sofort ein, als ihn unsere Ehrenamtlichen Christiane und Lea mit dem ASB-Wünschewagen an den ersten Wunschfahrtstopp des Tages bringen. Das Willkommen vor Ort: Rau, aber herzlich! Viele Kiosk-Kunden machen große Augen, ihn endlich mal wieder zu sehen. Sprechen ihn freudestrahlen an: „Ey, was machst du denn hier? Wie schön!“ Und Maike Vogel, Freundin und Betreiberin, gibt der Reisegruppe Kaffee aus. Sagt dann zu „Carlo“, als der seine Zigaretten bezahlen will: „Das sind ja die letzten 10 Euro, die ich von dir bekomme. Die rahme ich mir ein.“ Und in diesem auf den ersten Blick frotzelig klingenden Satz schwingt ganz viel Rührung mit. Man mag sich hier.
Doch nicht nur im Kiosk ist „Carlo“ gerne gesehen, auch in der Spielhalle „Fun City“ ist der Krebspatient ein ausgesprochen gerne gesehener Gast: Zur Begrüßung wird er vom Personal geherzt und gedrückt. Die Wiedersehensfreude ist riesig. Natürlich auch bei „Carlo“, der hier früher zweimal die Woche vorbeigeschaut, gezockt hat. Im WüWa-Tragestuhl lässt er sich direkt vor die Spielautomaten fahren, beginnt zu spielen. Vergisst die Welt um sich herum. Und Gott sei Dank auch seine Schmerzen. Ist frohen Mutes. Seine Schwester Linda, die heute Geburtstag hat und als Reisebegleitung mit auf Wunschfahrt gegangen ist, versucht sich ebenfalls am Automaten. Gewinnt sofort 40 Euro. Anfängerglück. Das Geld wandert in den Wünschewagen-Spendentopf.
Erst am späten Nachmittag will unser Gast zurück in seine Wohnung. Die Beine machen nicht mehr mit. Das Sitzen fällt schwer. Zum Abschied von den beiden ehrenamtlichen Wunscherfüllerinnen sitzt der Kloß im Hals bei den Geschwistern fest. Sie wissen, dass dies der letzter Ausflug des Palliativpatientens nach draußen war.
Für Wunscherfüllerin und Pflegefachkraft Lea ist „Carlo“ Wunschfahrt etwas ganz Besonderes: „Sie zeigt mir wieder einmal mehr, wie wichtig selbst die auf den ersten Blick scheinbar allerkleinsten Wünsche sind für jemanden, der sie sich nicht mehr selbst erfüllen kann. Und wie viel Glück wir Anderen haben, dass wir ganz alltägliche Dinge völlig selbständig machen können. Wir sollten das vielmehr schätzen und dankbar sein.“